Auswahlkriterien für einen Internet-Tarif

Aus Freifunk München
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Die Auswahlkriterien für einen Internet-Tarif sind für Freifunk etwas anders als für den Normalnutzer. Die meisten Tarife können für Freifunk verwendet werden. Tarife mit einer Volumenbegrenzung sind nicht geeignet.

Grundsätzliche Überlegungen[Bearbeiten]

  • Freifunk-Router verursachen eine Art Grundrauschen durch Datenverkehr, der für die Kommunikation mit und in der Freifunk-Infrastruktur entsteht. Eine Probemessung mit einem TP-Link 1043, der ausschließlich als offloader konfiguriert war ergab ein upload-Volumen von ca. 5 bis 6 MB in 10 Minuten und ein Download-Volumen von ca. 20 MB in 10 Minuten, was einem Gesamtvolumen von ca. 3,5 GB pro Tag entspricht. Diese Werte passten auch zu den langfristigen Volumenmessungen der Fritzbox, an der das Gerät hing (Stand Mitte Juni 2017 mit langfristigen Daten vom Monat Mai). Demgegenüber stehen Angaben aus der Map, bei denen ca. 110 kbps up und 160 kbps down als Mittelwert angegeben werden. Dies entspricht wiederum einem Gesamtumsatz von ca. 2,8 GB pro Tag (errechnet als 270 kBit/sec * 3600 sec * 24 / 1.048.576 bit / 8 bit/byte).
  • Abhängig vom Aufstellungsort kann mit einer grundsätzlich hohen Nutzung oder mit einer nicht genau vorhersagbaren Nutzung gerechnet werden. In jedem Fall findet eine höhere Nutzung im Vergleich zur alleinigen Verwendung des Anschlusses statt.
  • Die Kriterien für Privatanwender, die zuhause einen Router aufstellen, unterscheiden sich von denen eines kommerziellen Aufstellers (z.B. Cafe).
  • Abhängig vom gewählten Aufbau der Knoten kann mehr oder weniger Datenverkehr stattfinden.
    • Der übliche Einsteiger-Router TP-Link 841 schafft i.d.R. 4 bis 8 MBit/sec Übertragungsleistung, wenn das Gerät alleine alles machen muss (also Internetanbindung ("fastd") und Clients versorgen, evtl. noch eine Mesh-Verbindung).
    • Das stärkere Modell TP-Link 1043 schafft einen Durchsatz von 15 bis 20 MBit/sec
    • Andere Aufbauten können höhere Durchsätze erreichen.
  • Zu unterscheiden ist normales Surf-Verhalten, das (analog zu den üblichen Tarifen) in weitaus mehr Download- als Upload-Datenvolumen resultiert in Relation zu anderen Verhalten, bei denen die Volumina ausgegelichen sein können (z.B. hauptsächlich Telefonate oder Video-Chats) oder umgekehrt sein kann (z.B. Angebot eines Dienstes wie eines Webservers).

Datenvolumen[Bearbeiten]

Management-Traffic[Bearbeiten]

Da derzeit (Stand Juni 2017) täglich über 3 GB/Tag reiner Management-Traffic anfallen (laut Techis beim Treffen nur ca. 1 GB/Tag), scheiden Tarife mit Volumenbegrenzung grundsätzlich aus. Davon betroffen sind (mindestens) alle Tarife von O2 sowie der Tarif DSL Basic 50 von 1&1 (nicht zu verwechseln mit dem unbeschränkten Tarif DSL 50!); es wurde keine vollständige Recherche durchgeführt. In jedem Fall sollte man die AGB prüfen!

Man kann versuchen einen Freifunk-Knoten zu betreiben, wenn man min. 300 GB Volumengrenze hat. Da der Aufsteller auf das Nutzerverhalten keinen Einfluss hat, kann dieses Experiment (insb. bei kommerziellen Betrieben, die ein Kunden-WLan anbieten wollen) allerdings daneben gehen.

Nutzlast[Bearbeiten]

Zur Feststellung der (nicht repräsentativen) Zahlen wurden willkürlich einige Router auf der Knotenkarte ausgewählt und die Mittelwerte ("avg") für user-rx, user-tx und (wenn vorhanden) user forward addiert.

Privatanschlüsse[Bearbeiten]

Zu Privatanschlüssen sind keine brauchbaren Daten gewinnbar. Die Werte lagen im Bereich von unter 100 kbps (=1 GB/Tag) bis in die Größenordnung von 1000 kbps(=10 GB/Tag). Die sonsitge private Nutzung ist nicht ermittelbar und kann je nach Nutzerverhalten ein deutlich Vielfaches ausmachen (z.B. HD-Streaming).

Nicht-Steamer und Nicht-Filesharer würden hier mit einem Tarif mit Drosselung ab 500 GB/Monat noch auskommen: (10 GB Nutzlast + 3 GB Grundrauschen) * 30 Tage = 390 GB, was noch 110 GB für normales Nutzerverhalten erlaubt.

Kunden-WLANs[Bearbeiten]

Bei den ausgewählten Betrieben (hauptsächlich gastronomische Betriebe) lagen die Werte zwischen ca. 200 kbps und 600 kbps. Man kann von einem Freifunk-Umsatz von 2 GB bis 6 GB pro Tag ausgehen, der deutich überwiegend auf downloads entfällt.

Diese Zahlen sind allein nicht aussagekräftig, denn die befragten Betreiber gaben ausnahmslos den Schlüssel ihres Nicht-Freifunk-WLANs an Gäste heraus, die danach fragten. Pauschal unterstellt wird, dass insb. Stammgäste von diesem Angebot Gebrauch machen, wogegen Laufkundschaft oder Nutzer, die keine Kunden waren (z.B. vor dem Geschäft) eher über Freifunk zugriffen. Genaue Zahlen gibt es nicht, man kann (aus der Luft gegriffen) unterstellen, dass vielleicht die gleiche oder doppelte Datenmenge auf diesem Weg transportiert wird.

Somit kommt man auf einen Bereich von 3 GB Grundrauschen zzgl. 2 bis 6 GB Freifunk-Nutzlast zzgl. 2/4 bis 6/12 GB (gleiche/doppelte Freifunk-Nutzlast) eigenes WLAN pro Tag. Damit bewegt man sich im Bereich von nachweisbaren ca. 150 GB/Monat bis 270 GB/Monat nur Freifunk und geschätzten(!) 210/420 GB/Monat bis 630 GB/Monat.

Viele Betriebe könnten mit einer Drosselungsgrenze bei 500 GB/Monat noch auskommen, stets vorausgesetzt, dass die Nutzung des eigenen WLANs nicht zu niedrig angesetzt wurde. Die Drosselung würde i.d.R. nur wenige Tage pro Abrechnungsperiode betreffen.

Datengeschwindigkeit[Bearbeiten]

Berücksichtigung des Grundrauschens[Bearbeiten]

Das Grundrauschen liegt beim Upload in der Größenordnung von 100 kBit/sec, beim download beim je nach Messung beim 1,5- bis 3-fachen. Damit haben selbst relativ langsame Tarife (down 16 Mbit/sec, up 1 MBit/sec) nicht wirklich ein Problem. Einige Knoten werden auch mit alten Tarifen betrieben, die nur 6 Mit/sec down und ca. 500 kBit up erlauben, ohne dass es zu Problemen kommt.

Man kann einen Knoten ohne weiteres mit einem 16 MBit-Anschluss betreiben. Ob dies zur gewünschte user experience führt, ist eine andere Frage (s.u.).

Standort des Routers hinsichtlich Signalausbreitung[Bearbeiten]

Sofern man direkt neben einem Freifunk-Access-Point steht, kommt i.d.R. die gesamte Leistung des Geräts beim Nutzer an. Bei einem TP-Link 1043 können dies 15 bis 20 MBit/sec down sein. Beleuchtet man damit einen Platz mit einigen Hindernissen in 15 bis 20 m Entfernung kommen u.U. weniger als 2 MBit/sec an.

Sofern man keinen filesharer o.ä. versorgt, der die maximale Bandbreite aus nächster Nähe abgreift, reicht ein Anschluss in der Größenordnung ab 16 MBit/sec, besser wenigstens 25 MBit/sec aus. Hat man überwiegend mit (einer gleichzeitig aktiven einstelligen Zahl) Clients zu tun, die ohnehin nur 2 MBit/sec auf Grund ihres Standorts empfangen können, ist die Geschwindigkeit des Uplinks nicht mehr relevant. Damit wird ein normales Surfverhalten bei guter Benutzererfahrung bedient und man hat noch reichlich Geschwindigkeit für den eigenen Anschluss.

Kunden-WLANs[Bearbeiten]

Die Anzahl der eingebuchten Clients ist wenig aussagekräftig. Viele Clients, die wenig tun belasten zwar den Router, aber nicht die Bandbreite.

Aus Kundensicht kann man immer sagen: Je schneller dar Anschluss umso besser. Da der bremsende Faktor der Freifunk-Router ist und als typisches Freifunk-Setup ein TP-Link 1043 empfohlen wird, können nicht mehr als 20 MBit/sec geliefert werden. Von einem Experten zu beurteilen: Können die 20 MBit/sec nur insgesamt oder mehrfach parallel für mehrere Nutzer geliefert werden?

Mit Blick auf einen Premium-Service für bestimmte Kunden, denen der Betreiber sein WLAN-Passwort für einen direkten Zugang gibt, kann erwogen werden, dass die 20 MBit/sec deutlich übertroffen werden. In Anbetracht der geringen Kostenunterschiede (i.d.R. 5.- € pro Monat mehr für doppelte Download-Geschwindigkeit) sollte ein Anschluss mit 50 bis 100 MBit/sec downstream erwogen werden.

Rechtliche Situation - AGB des Internet-Providers[Bearbeiten]

ISPs sehen in ihren AGBs normalerweise keine Klausel vor, die spezifisch auf Freifunk abzielt. I.d.R. ist es nicht erlaubt, dass der Anschluss gegen Entgelt an Dritte weiter vermietet wird. Ebenso ist i.d.R. die dauerhafte alleinige Überlassung an Dritte nicht erlaubt. Freifunk ist davon nicht belastet.

Man findet die richtige Stelle, wenn man in den AGB nach "Dritte" sucht. Zu beachten ist, dass ein normaler Callcenter-Mitarbeiter nicht unbedingt in der Lage ist, die Frage "Ist ein Freifunk-Router erlaubt?" zu beantworten. Wenn man fragen will, dann bei der Rechtsabteilung.

Empfehlung[Bearbeiten]

  • Nimm keinen Tarif mit Drosselung abhängig vom Datenvolumen, insb. nicht, wenn Du einen (gastronomischen) Betrieb bewirtschaftest und ein Kunden-WLAN anbieten willst. Das gilt ungeachtet der Frage, ob Freifunk überhaupt eingesetzt werden soll.
  • Nimm wenigstens 16 MBit/sec, wenn Du einen Betrieb hast oder viele Nutzer erwartest, dann besser 50 bis 100 MBit/sec down.
  • Kümmere Dich um die Upload-Geschwindigkeit immer dann, wenn Du weißt, dass es entsprechenden Bedarf gibt.
  • Prüfe die rechtliche Situation bevor Du einen Router aufstellst oder Deinen WLAN-Schlüssel Deinen Kunden gibst.