Jugendschutz

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Die Frage nach dem Jugendschutz bei Freifunk, einer Kindersicherung oder einem Jugendschutzfilter wird immer wieder von Eltern gestellt. Abgezielt wird dabei auf eine gezielte Sperrung von bestimmten Geräten oder von bestimmten Inhalten.

Rechtliches[Bearbeiten]

Dieser Abschnitt stellt keine Rechtsberatung dar und er wurde nicht von einem Juristen verfasst. Bitte einen Hinweis hier oder auf der Diskussionsseite anbringen, wenn mal ein Jurist drauf geschaut hat.

Der Jugendschutz im Internet wird letztendlich durch den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag geregelt, wobei in §4 die unzulässigen Angebote explizit aufgezählt sind. Jugendschutz ist auf Anbieterseite zu gewährleisten.

Die Verantwortlichkeit für Inhalte ist im Telemediengesetz (TMG) im Abschnitt 3 (§7 bis §10) geregelt. §7 Abs. 1 TMG sagt: Diensteanbieter sind für eigene Informationen, die sie zur Nutzung bereithalten, nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich. §8 Abs. 1 TMG sagt: Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich, sofern sie 1. die Übermittlung nicht veranlasst, 2. den Adressaten der übermittelten Informationen nicht ausgewählt und 3. die übermittelten Informationen nicht ausgewählt oder verändert haben.

Freifunk München tritt als Anbieter von Inhalten lediglich mir seiner (offensichtlich nicht jugendgefährdenden) Website auf. Die durchgeleiteten Inhalte werden nicht von Freifunk sondern vom Endbenutzer ausgewählt, sie werden auch nicht verändert. Freifunk ist in diesem Kontext nicht als Inhalteanbieter ("Content-Provider" oder "Host-Provider"), sondern vielmehr als "Access Provider" anzusehen.

Eine Verpflichtung für Freifunk, eine Art Jugendschutzfilter vorzusehen oder anzubieten, dürfte damit nicht gegeben sein.

Nutzungsvereinbarung und Freifunk-Idee[Bearbeiten]

Die Nutzungsvereinbarung verlangt einen ungehinderten Transit der transportierten Daten. Damit entfällt jede Grundlage für eine Filterung jeder Art. Das Frei in Freifunk (s. auch Freifunk-FAQ) steht nicht nur für kostenlos sondern auch im Sinne von öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, frei von irgendwelchen Einschränkungen und als Besitz der Gemeinschaft ohne hierarchische Instanzen, die irgendwelche Regelungen allein festlegen können. Freifunk vertritt dabei die im Deutschen Grundgesetz Art. 5 Abs. 1 festgeschriebenen Werte der freien Rede und der Zensurfreiheit.

Eine Inhaltefilterung wird durch Freifunk grundsätzlich abgelehnt.

Die freie Rede gilt nicht unbegrenzt, ihre Grenzen findet sie u.a. beim Jugendschutz, der vom "Redner" (Inhalteanbieter) zu gewährleisten ist.

Konsequenzen[Bearbeiten]

Wenn eine Zensur bzw. Filterung von Inhalten stattfinden soll, dann nur, nachdem die Daten den Freifunk-Router verlassen haben, nicht aber im Router oder auf dem Weg vom Freifunk-Gateway zum Router.

Realisierung eines Jugendschutzfilters oder einer Kindersicherung[Bearbeiten]

Filterung von MAC-Adressen oder Inhalten (nicht mit Freifunk vereinbar)[Bearbeiten]

Bei Nicht-Freifunk-Routern ist sehr oft vorgesehen, dass MAC-Adressen gezielt gefiltert werden. Damit kann einzelnen Geräten (z.B. dem Tablet des Jugendlichen) der Zugang zum Internet oder zu bestimmten Inhalten gesperrt werden. Eine solche Filterung ist nach den Freifunk-Grundsätzen nicht und bei der normalen Freifunk-Routerkonfiguration auch nicht vorgesehen.

Die Sicherheit einer solchen Maßnahme ist auch von zweifelhaftem Wert. Im Gegensatz zu einem Unternehmensnetzwerk, das in sich geschlossen und strikt kontrollierbar ist, ist eine solche Kontrolle im privaten Bereich nicht durchsetzbar. Selbst Kinder und Jugendliche kennen Tricks, z.B.:

  • Man beschafft sich heimlich ein anderes Gerät, dessen MAC-Adresse nicht im heimischen Netzwerk gesperrt ist. Z.B. kaufen sich einige Freunde identische Mobiltelefone. Nachdem die eigene MAC-Adresse zuhause zensiert wurde, werden die Geräte getauscht. Oder man übernimmt das alte Tablet eines Freundes im Tausch gegen das eigene alte Tablet.
  • Der technisch nicht übermäßig begabte Schulfreund, der liberalere Eltern hat, baut einen VPN-Server und bietet so einen unzensierten Zugang.
  • Der Jugendliche bringt den Schlüssel für ein WLAN eines Nachbarn in Erfahrung.
  • Der Jugendliche bringt das elterliche Passwort in Erfahrung.
  • Der Jugendliche nutzt sein Gerät bei einem anderen nicht zensierten Anschluss, z.B. bei einem Freund oder einem anderen öffentlichen WLAN.
  • Möglicherweise ist auch in der Nachbarschaft ein Freifunk- oder (nach Abschaffung der Störerhaftung) ein anderes offenes WLAN verfügbar.
  • Der Jugendliche nutzt einen Dienst, der die vorgesehene Sperre umgeht (vpn app).
  • Der Jugendliche nutzt den Datentarif seines Handyvertrages und umgeht damit den elterlichen Router.

Geeignete Maßnahmen, die nicht mit Freifunk im Konflikt stehen[Bearbeiten]

Zu dieser Thematik hat Freifunk Schwalmtal einen Beitrag verfasst, der sehr umfassend ist und weiterführende Links (instb. zu http://www.schau-hin.info/ für Android und iOS) enthält.

Eine sinnvolle Filterung im Umfeld des Jugendschutzes kann nur auf dem vom Kind oder Jugendlichen genutzten Gerät stattfinden. Die Maßnahme ist unabhängig vom genutzten Internetanschluss. Die Auswahl der Maßnahmen obliegt den Erziehungsberechtigten, eine Empfehlung wird hier nicht gegeben.

Eine Suche im www findet eine Reihe von Produkten unterschiedlicher Anbieter, die die diversen Dienste (inkl. E-Mail, Chats und Newsgroups) einschränken können.

Die gängigen Betriebssysteme bieten bereits Kindersicherungen bzw. Jugendschutzmechanismen an bzw. sie können eingerichtet werden:

sicher online gehen ist eine Initiative von Bund, Ländern und der Wirtschaft.

Zeitliche Einschränkungen[Bearbeiten]

Wenn lediglich der Zugriff zeitlich eingeschränkt werden soll (von 22:00 bis 6:00 wird offline geschlafen), reicht eine Zeitschaltuhr.

Bandbreitenbegrenzung[Bearbeiten]

Soll ein bandreitenintensives Spiel behindert werden, so kann dies bei der Konfiguration des Routers über eine Bandbreitenbegrenzung geschehen. Ideal ist dies aber nicht, da potentielle Mitnutzer des Freifunk-Anschlusses unter der gleichen Begrenzung leiden.

Ein Freifunker berichtete, dass er Freifunk deshalb zuhause anbietet, da Freunde der Kinder stets nach dem WLAN-Schlüssel seines Anschlusses gefragt haben. Diesen wollte er aber nicht beliebig heraus geben, da abzusehen war, dass der Schlüssel unkontrolliert weiter verbreitet würde. Um die Kinder vom permanenten youtube-Schauen abzuhalten, drosselte er die download-Bandbreite auf wenige hundert kB/sec.

Erziehung zur Medienkompetenz[Bearbeiten]

Die Art und Weise wie Eltern ihre Kinder zur Medienkompetenz erziehen, bleibt den Eltern überlassen. Dazu gehört auch die Entscheidung, in welchem Maße Inhalte gefiltert werden sollen. Sofern Eltern dafür eine Inhaltefilterung vorsehen, wird diese nicht durch Freifunk unterstützt.